Die SPD ...

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Schnigge
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Re: Die SPD ...

Beitrag von Schnigge » 12.06.2019 12:15

halbfan hat geschrieben:
12.06.2019 11:02
Das Thema "Flüchtlinge" verbrennt sich auch bei ihnen allmählich. Man kann halt nicht ewig Angst machen mit "Millionen Afrikanern, die das Land überrollen", wenn das Angedrohte einfach nicht passieren will. 8)
Das Thema ist ja nicht etwa deshalb mehr akut, weil es keine potentiellen Flüchtlinge/Migranten mehr gibt, sondern weil Mechanismen greifen (Balkanroute dicht, italienische Häfen dicht, Deal mit der lybischen Küstenwache), die die Politik offiziell gar nicht gutheißt. Zumindest ist man von der vielbeschworenen europäischen Lösung nach wie vor weit entfernt. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis sich die Situation wieder zuspitzt.

Flo71
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Re: Die SPD ...

Beitrag von Flo71 » 12.06.2019 19:04

Migration/Flüchtlinge sind nat. weiterhin ein Thema (ein weiterer negativer Klimawandel wird das auch wieder verstärken). Jedenfalls sagen meine Daten aus der etzten Untersuchung des Bundesumweltministeriums es,dass die von mir genannten Aspkete den Deuscten wichtiger sind als das Thema Migration. Und ich muss sagen die Kombination der widerlichen Welt-Zeitung mit Ergebnisse des Onlineinstituts Yougov mich nicht vom Gegenteil überzeugen.

Aber andererseits ist es so, laut Grundgesetz ist es auch Aufgabe der Parteien an der politischen Willensbildng - da kann die SPD , wenn sie wirklich die Volkspartei ist,für die sie sich hält, auch mal aktiv sein, und nicht nur hinterherhecheln. Und Ewiggestrig nun die Ausländerpoltik als Identifizierungsmerkmal und Gestaltungsthema gerade jetzt zu finden.

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Re: Die SPD ...

Beitrag von halbfan » 12.06.2019 20:51

Schnigge hat geschrieben:
12.06.2019 12:15
halbfan hat geschrieben:
12.06.2019 11:02
Das Thema "Flüchtlinge" verbrennt sich auch bei ihnen allmählich. Man kann halt nicht ewig Angst machen mit "Millionen Afrikanern, die das Land überrollen", wenn das Angedrohte einfach nicht passieren will. 8)
Das Thema ist ja nicht etwa deshalb mehr akut, weil es keine potentiellen Flüchtlinge/Migranten mehr gibt, sondern weil Mechanismen greifen (Balkanroute dicht, italienische Häfen dicht, Deal mit der lybischen Küstenwache), die die Politik offiziell gar nicht gutheißt. Zumindest ist man von der vielbeschworenen europäischen Lösung nach wie vor weit entfernt. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis sich die Situation wieder zuspitzt.
Aus linker Sicht spitzt sie sich ja zu. Es sterben Menschen an den Grenzen. Die Politik greift dies mit Absicht nicht auf, weil sie Wählergewinne auf rechter Seite fürchtet, wenn die Grenzen wieder geöffnet werden und wieder ein normaler (also mehr als jetzt, aber weniger als 2015) Strom an Flüchtlingen herkommt.
Da die Grenzen, obwohl offiziell nicht gutgehießen, dicht sind, macht es derzeit überhaupt keinen Sinn, just jetzt doch noch auf den Flüchtlingszug aufzuspringen. Es gibt schlicht keine Flüchtlingsmassen, die man anprangern könnte.

Einer der Gründe, warum die SPD sich gerade selbst abschafft. Das linke Spektrum an SPD-Wählern verlieren sie endgültig, am rechten Rand aber gewinnen sie keine Stimmen hinzu.
Was sie auch dann nicht tun würden, würde es jetzt wieder mehr Flüchtlinge geben. Hetzt die SPD gegen diese, wählen die Menschen dann doch erst recht das "Original".

Ich sehe schlicht keinen Sinn hinter diesen Aussagen diverser SPD-Politiker gegen Flüchtlinge. Und frage mich zunehmend, welches Niveau deren Wahlstrategen haben. Erscheint mir eher Kreis- denn Weltklasse.

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Re: Die SPD ...

Beitrag von Schnigge » 13.06.2019 12:16

Flo71 hat geschrieben:
12.06.2019 19:04
Migration/Flüchtlinge sind nat. weiterhin ein Thema (ein weiterer negativer Klimawandel wird das auch wieder verstärken). Jedenfalls sagen meine Daten aus der etzten Untersuchung des Bundesumweltministeriums es,dass die von mir genannten Aspkete den Deuscten wichtiger sind als das Thema Migration. Und ich muss sagen die Kombination der widerlichen Welt-Zeitung mit Ergebnisse des Onlineinstituts Yougov mich nicht vom Gegenteil überzeugen.
Wie eine Umfrage der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt, wird das Thema Migration und Flucht gerade unter dem Gesichtspunkt der zukünftigen politischen Handlungsnotwendigkeit als Top-Thema betrachtet:
Link hat geschrieben: Auf die Frage, was aus ihrer Sicht in den kommenden 10 bis 20 Jahren die größten Herausforderung für Deutschland sein wird, nannten 27 Prozent der Befragten "Migration, Flucht und Asyl". Für 22 Prozent von ihnen ist "soziale Gerechtigkeit" das wichtigste Anliegen. Rund 13 Prozent der Befragten nannten Klimawandel und Umweltschutz als Haupt-Thema. Außenpolitik, Digitalisierung, Bildung und Arbeitsplätze werden dagegen jeweils nur von drei Prozent der Wähler als größte Herausforderung für die Zukunft empfunden.
Ansonsten ist es nicht wirklich verwunderlich, dass Umweltthemen bei einer Umfrage des Umweltministeriums, unter dem Studienthema Umweltbewusstsein und Umweltverhalten (die meinst du doch, oder?), bei denjenigen, die sich bewusst an dieser Studie beteiligen, auch entsprechend priorisiert werden.
Flo71 hat geschrieben:
12.06.2019 19:04
Aber andererseits ist es so, laut Grundgesetz ist es auch Aufgabe der Parteien an der politischen Willensbildng - da kann die SPD , wenn sie wirklich die Volkspartei ist,für die sie sich hält, auch mal aktiv sein, und nicht nur hinterherhecheln. Und Ewiggestrig nun die Ausländerpoltik als Identifizierungsmerkmal und Gestaltungsthema gerade jetzt zu finden.
Das Problem der SPD ist nicht mangelnde Aktivität bei der politischen Willensbildung, sondern inhaltliche Beliebigkeit gepaart mit praktischer Nutzlosigkeit für die erklärten Adressaten ihrer Politik.

Der Durchschnittsverdiener, der mit seinen Abgaben den Sozialstaat am Laufen hält, hat schlicht nichts von der SPD zu erwarten. Folglich wählt er sie auch nicht. Im Gegensatz zu den Grünen, wurde die SPD nie für ihre Ambitionen, sondern immer für ihre Taten gewählt. Diese Leute wollen kein Teil der kosmopolitischen Avantgarde sein, sondern eine Partei, die ihre Interessen vertritt und schützt.

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Re: Die SPD ...

Beitrag von Schnigge » 13.06.2019 12:29

halbfan hat geschrieben:
12.06.2019 20:51
wenn die Grenzen wieder geöffnet werden und wieder ein normaler (also mehr als jetzt, aber weniger als 2015) Strom an Flüchtlingen herkommt.
Es gibt keine normale Migration mit natürlicher Obergrenze. Migration wird maßgeblich von der Möglichkeit zur Migration bestimmt (und natürlich dem erwarteten Nutzen).

Wenn man bedenkt, dass ganz Afrika um 1960 ca. 230 Millionen Einwohner hatte, heute bereits 1,3 Milliarden hat und lt. Prognosen 2050 ca. 2,5 Milliarden habe wird, von denen bereits heute ein Großteil ausreisen würde, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten (ich habe von bis zu 40% gelesen), wird deutlich, dass auch eine Verteilung der Migranten innerhalb Europas keine Lösung ist.
halbfan hat geschrieben:
12.06.2019 20:51
Da die Grenzen, obwohl offiziell nicht gutgehießen, dicht sind, macht es derzeit überhaupt keinen Sinn, just jetzt doch noch auf den Flüchtlingszug aufzuspringen. Es gibt schlicht keine Flüchtlingsmassen, die man anprangern könnte.
Es geht ja nicht um das Anprangern von irgendwas, sondern um die politische Lösungsfindung für eine Situation, mit der man unweigerlich früher oder später konfrontiert wird.
halbfan hat geschrieben:
12.06.2019 20:51
Einer der Gründe, warum die SPD sich gerade selbst abschafft. Das linke Spektrum an SPD-Wählern verlieren sie endgültig, am rechten Rand aber gewinnen sie keine Stimmen hinzu.
Was sie auch dann nicht tun würden, würde es jetzt wieder mehr Flüchtlinge geben. Hetzt die SPD gegen diese, wählen die Menschen dann doch erst recht das "Original".
Die dänischen Sozialdemokraten haben das Original nicht gestärkt, sondern massiv geschwächt. Genau das ist doch der entscheidende Punkt.
Link hat geschrieben: Die neue Position der Sozialdemokraten in der Migrationspolitik unterscheide sich jedoch von dem Ansatz der Dänischen Volkspartei in einem entscheidenden Punkt, sagt Nedergaard: „Die Dänische Volkspartei steht nur auf einem Bein, auf der restriktiven Migrationspolitik.“ Doch die Sozialdemokraten würden zusätzlich auch auf internationale Zusammenarbeit und Solidarität setzen. Das sei entscheidend.

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Re: Die SPD ...

Beitrag von halbfan » 13.06.2019 12:42

Wenn man bedenkt, dass ganz Afrika um 1960 ca. 230 Millionen Einwohner hatte, heute bereits 1,3 Milliarden hat und lt. Prognosen 2050 ca. 2,5 Milliarden habe wird, von denen bereits heute ein Großteil ausreisen würde, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten (ich habe von bis zu 40% gelesen), wird deutlich, dass auch eine Verteilung der Migranten innerhalb Europas keine Lösung ist.
Die 40% habe ich auch gelesen, halte genau diese Meldung aber für zu kurz gedacht. Denn an anderer Stelle wurde, wie ich finde: Richtigerweise, darauf hingewiesen, dass es auch innerhalb Afrikas große Migrationsbewegungen gibt und ein Großteil jener, die ihr Land verlassen, sich wieder innerhalb Afrikas niederlassen. In jener Umfrage jedenfalls wurde nicht gefragt, wohin sie denn ausreisen würden, da kann ich mich noch gut dran erinnern, dass mir diese, wie ich finde: Entscheidende, Information fehlte.

Es ist auch lange nicht nur Europa das Ziel. Asien ist auch davon betroffen.

Eine reine Verteilungspolitik kann auch keine Lösung sein. Die beste Lösung ist immer noch eine effiziente Entwicklungshilfe. Niemand verlässt gerne seine Heimat, wenn die Menschen aber dazu gezwungen sind, weil zu wenig Wasser verfügbar ist (da leisten VcA wirklich hervorragende Arbeit diesbezüglich, ist aber ein Tropfen auf den heißen Stein), zu wenig zu Essen da ist und/oder schlicht bittere Armut sich breit macht, weil das Geld für Entwicklungshilfe per Korruption einfach "versumpft", dann sehe ich es wie du, eine gerechte Verteilung innerhalb Europas ist das kleinere Problem.

Was die Dänen angeht, kenne ich deren Verhältnisse nicht, dazu kann und mag ich nichts zu sagen. Ich sehe nur hierzulande, dass überall dort, wo eine Landesregierung nach rechts rutscht (unabhängig ob SPD, CDU oder CSU), nicht etwa weniger Menschen die AfD wählen, sondern mehr.
Ich vermute da einen direkten Zusammenhang. Ohne es freilich belegen zu können, ist aber doch ein starker Verdacht meinerseits.

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Re: Die SPD ...

Beitrag von Flecktier » 13.06.2019 13:13

halbfan hat geschrieben:
13.06.2019 12:42
Wenn man bedenkt, dass ganz Afrika um 1960 ca. 230 Millionen Einwohner hatte, heute bereits 1,3 Milliarden hat und lt. Prognosen 2050 ca. 2,5 Milliarden habe wird, von denen bereits heute ein Großteil ausreisen würde, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten (ich habe von bis zu 40% gelesen), wird deutlich, dass auch eine Verteilung der Migranten innerhalb Europas keine Lösung ist.
Die 40% habe ich auch gelesen, halte genau diese Meldung aber für zu kurz gedacht. Denn an anderer Stelle wurde, wie ich finde: Richtigerweise, darauf hingewiesen, dass es auch innerhalb Afrikas große Migrationsbewegungen gibt und ein Großteil jener, die ihr Land verlassen, sich wieder innerhalb Afrikas niederlassen. In jener Umfrage jedenfalls wurde nicht gefragt, wohin sie denn ausreisen würden, da kann ich mich noch gut dran erinnern, dass mir diese, wie ich finde: Entscheidende, Information fehlte.

Es ist auch lange nicht nur Europa das Ziel. Asien ist auch davon betroffen.

Eine reine Verteilungspolitik kann auch keine Lösung sein. Die beste Lösung ist immer noch eine effiziente Entwicklungshilfe. Niemand verlässt gerne seine Heimat, wenn die Menschen aber dazu gezwungen sind, weil zu wenig Wasser verfügbar ist (da leisten VcA wirklich hervorragende Arbeit diesbezüglich, ist aber ein Tropfen auf den heißen Stein), zu wenig zu Essen da ist und/oder schlicht bittere Armut sich breit macht, weil das Geld für Entwicklungshilfe per Korruption einfach "versumpft", dann sehe ich es wie du, eine gerechte Verteilung innerhalb Europas ist das kleinere Problem.

Was die Dänen angeht, kenne ich deren Verhältnisse nicht, dazu kann und mag ich nichts zu sagen. Ich sehe nur hierzulande, dass überall dort, wo eine Landesregierung nach rechts rutscht (unabhängig ob SPD, CDU oder CSU), nicht etwa weniger Menschen die AfD wählen, sondern mehr.
Ich vermute da einen direkten Zusammenhang. Ohne es freilich belegen zu können, ist aber doch ein starker Verdacht meinerseits.

Das mit der Entwicklungshilfe ist leider nicht zutreffend. Seriöse Migrationsforscher gehen im Gegenteil davon aus, dass eine bessere Entwicklung vor Ort im Gegenteil die Migration nach Europa deutlich erhöht. Der Abstand ist so immens, dass der Weg nach Europa plausibler ist, als eine lange Entwicklung vor Ort auszuhalten.

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Re: Die SPD ...

Beitrag von Schnigge » 13.06.2019 16:24

halbfan hat geschrieben:
13.06.2019 12:42
Denn an anderer Stelle wurde, wie ich finde: Richtigerweise, darauf hingewiesen, dass es auch innerhalb Afrikas große Migrationsbewegungen gibt und ein Großteil jener, die ihr Land verlassen, sich wieder innerhalb Afrikas niederlassen.
Das ist grundsätzlich richtig, hängt aber nicht zuletzt damit zusammen, dass eine Migration/Flucht nach Europa wesentlich teurer ist, als in ein Nachbarland.

Außerdem löst das nicht das demographische Grundproblem. Solange die Geburtenrate oberhalb des Wirtschaftswachstums liegt, kann die Situation nicht besser werden – ganz im Ggenteil. Heute sind 40% der Schwarzafrikaner jünger als 15 Jahre, was es in dieser Dimension bisher nirgendwo auf der Welt gegeben hat. Das ist sozialer und politischer Sprengstoff.
halbfan hat geschrieben:
13.06.2019 12:42
Es ist auch lange nicht nur Europa das Ziel. Asien ist auch davon betroffen.
Ich würde eher die USA als Asien nennen. Ein wesentliches Kriterium für die Auswahl des Ziellandes ist das Vorhandensein einer Community vor Ort. Das macht Migration zu einem sich selbst verstärkenden Prozess. Sind bereits welche vor Ort, fällt es den anderen leichter zu folgen.
halbfan hat geschrieben:
13.06.2019 12:42
Eine reine Verteilungspolitik kann auch keine Lösung sein. Die beste Lösung ist immer noch eine effiziente Entwicklungshilfe.
Neben dem was Flecktier anführt, besteht das Problem darin, dass Entwicklungshilfe allein deshalb nicht effizient sein kann, weil sie auf die Kooperation des jeweiligen Regimes angewiesen ist. De facto bezahlen Hilfsorganisationen den Regimen beträchtliche Beträge, um die Aufgaben für die Bevölkerung wahrnehmen zu dürfen, die eigentlich Aufgabe des Staates sind. Das ganze Gerede von Hilfe vor Ort ist daher schlicht dummes Zeug.

Ansonsten bin ich der Meinung, dass man mit dem globalen Problem Flucht auch global umgehen muss. Heißt, dass nicht Schlepper und der Geldbeutel entscheiden, wer z.B. in Europa aufgenommen wird, sondern Kriterien festgelegt werden, die sich an den Bedürfnisse und Umständen der Geflüchteten orientieren. Und das nicht erst, wenn sie in Europa auf der Matte stehen, sondern sobald sie in ein Flüchtlingslager der UNO erreichen.
halbfan hat geschrieben: Niemand verlässt gerne seine Heimat, wenn die Menschen aber dazu gezwungen sind,
Niemand isoliert sich gern sozial, das heißt jedoch nicht, dass alle Menschen notorisch sesshaft sind.

Migration erfolgt meist in Etappen: erst in die Städte (in Afrika sind gewaltige urbane Zentren mit Riesenslums entstanden), dann ins Ausland. Und da in Afrika über 10 Millionen Menschen jedes Jahr ins Erwerbsalter kommen, jedoch nur 3 Millionen neue Jobs entstehen, ist die innerafrikanische Migration auch keine Lösung.

halbfan hat geschrieben:
13.06.2019 12:42
Was die Dänen angeht, kenne ich deren Verhältnisse nicht, dazu kann und mag ich nichts zu sagen. Ich sehe nur hierzulande, dass überall dort, wo eine Landesregierung nach rechts rutscht (unabhängig ob SPD, CDU oder CSU), nicht etwa weniger Menschen die AfD wählen, sondern mehr.

Ich vermute da einen direkten Zusammenhang. Ohne es freilich belegen zu können, ist aber doch ein starker Verdacht meinerseits.
Unabhängig davon, dass die Möglichkeiten der Bundesländer bei diesem Thema überschaubar sind, gibt es keine Partei, die eine auch nur annährend vergleichbare inhaltliche Neuausrichtung vorgenommen hätte.

Wie ich bereits weiter oben schrieb, sind die Grünen und die AfD die neuen Antipoden. Die anderen Parteien, vor allem SPD und CDU, irrlichtern nur noch durch den politischen Raum und suchen einen Platz, den es in der von ihnen selbst verursachten binären Meinungswelt jedoch nicht mehr gibt. Es gibt nur noch Grün, AfD oder unglaubwürdig.

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Re: Die SPD ...

Beitrag von Flecktier » 13.06.2019 17:05

Es fehlt glaube ich tatsächlich an einem Plan. Keiner weiß so genau, wie er es halten soll mit den Flüchtlingen. Wir merken das doch an allen Anzeichen, an jeder Diskussion. Schon die Unterscheidung zwischen Wirtschaftsflüchtlingen und Kriegsflüchtlingen, etc. ist so hoffnungslos überaltert, dass es wehtut. In meiner politischen Praxis begegnen mir einfach sehr viele Menschen bei denen ich nach kurzer Diskussion das Gefühl habe, sie wollen einfach keine sichtbaren Schwarzafrikaner, oder sonstige "Rassen", die ihre Busse fahren. Es gibt einen latenten unterdrückten, teils offenen Rassismus. Die Angst vor dem Verlust von Arbeitsplätzen ist eher Stufe zwei der Probleme. Sehr viele Menschen wollen keine Fremden in ihrem Umfeld. Da wird dann jedes noch so doofe Klischee gebraucht, um das zu begründen. Das macht eine sachliche Auseindersetzung so schwierig. Ansonsten ist es soch kaum erklärbar, dass die zahlreichen Russen und Polen lange nicht so viel Aufruhr verursachen, wie eine Handvoll "Andersfarbiger". Dieser Rassismus schwelt auch der gesamten türkischen, der kurdischstämmigen, der libanesischen und palästeninsischen Bevölkerungsgruppen gegenüber. Da feiert dann sogar das Abendblatt wenn die Polizei, aus meiner Sicht rassistische Kontrollen, bei Hochzeiten vornimmt. Selbst wenn diese Menschen einen deutschen Pass besitzen, spielt das eher eine untergeordnete Rolle. "Ich hab Angst vor Kopftuchmädchen" habe ich schon innerhalb der Partei gehört.

Das ist das große Dilemna. Wir brauchen Zuwanderung, wir müssen und verpflichtet fühlen unser Ausbeuterrolle loszuwerden und Afrika auch mit Migration zu helfen, aber wir schaffen es ja nicht mal die schon längst hier Ansässigen wirklich aufzunehmen. Die Positivbeispiele werden dann wie eine Monstranz vor sich hergetragen. Sie bestätigen dann aber für die Alltagsrassisten nur die Ausnahme von der Regel. Wir bewegen uns in einem so frustrierend emotionalen Bereich, dass ich an der Migrationsdebatte politisch echt verzweifle.

Selbst sachlich ist mir klar, dass wir kaum 15 Millionen Afrikaner aufnehmen können, obwohl ich es menschlich absolut begrüßen würde. Nur wie wollen wir selektieren? Schon das macht mich moralisch fertig. Welche Ansprüche stelle ich? Wer ist mir ganz persönlich willkommen?
khmeristani bedankte sich

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Re: Die SPD ...

Beitrag von emzpiraatin » 13.06.2019 22:26

Das Ende naht. Jetzt wird die SPD im ZDF schon mit dem HSV verglichen...
:megafon:
Bitte bei Diffamierungen etwas kreativer vorgehen und zudem vorab prüfen, ob ich mich davon überhaupt angegriffen fühlen könnte.
Glaubt mir, ihr erfindet das Rad nicht neu, ihr macht euch nur zum Otto.

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Re: Die SPD ...

Beitrag von snief » 14.06.2019 08:52

emzpiraatin hat geschrieben:
13.06.2019 22:26
Das Ende naht. Jetzt wird die SPD im ZDF schon mit dem HSV verglichen...
Ach, wird die Uhr jetzt im Willy-Brandt-Haus installiert und zeigt die Dauer der Mitgliedschaft im Bundestag an? :D
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Re: Die SPD ...

Beitrag von Babo » 14.06.2019 10:20

emzpiraatin hat geschrieben:
13.06.2019 22:26
Das Ende naht. Jetzt wird die SPD im ZDF schon mit dem HSV verglichen...
Das würde ja bedeuten, dass nicht nur die Blöd und die Mopo hier mitlesen, sondern auch das ZDF. Dieses Forum hat schon eine enorme Strahlkraft. 8)
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Re: Die SPD ...

Beitrag von Schnigge » 14.06.2019 12:46

Flecktier hat geschrieben:
13.06.2019 17:05
Es fehlt glaube ich tatsächlich an einem Plan. Keiner weiß so genau, wie er es halten soll mit den Flüchtlingen. Wir merken das doch an allen Anzeichen, an jeder Diskussion. Schon die Unterscheidung zwischen Wirtschaftsflüchtlingen und Kriegsflüchtlingen, etc. ist so hoffnungslos überaltert,
Wie hier schon festgestellt wurde, sind Parteien nur ein Teil der politischen Willensbildung. Man sollte daher nicht erwarten, dass sie für ein Problem, das im gesellschaftlichen Diskurs kaum bis gar nicht als solches vorkommt, einen Masterplan aus der Schublade ziehen können. Dass die Politik dennoch so tut als ob sie es könnte, ist natürlich Teil des Problems.

Die permanente Vermischung von Flucht und Migration, die sich auch darin zeigt, dass immer wieder versucht wird praktisch alles mit dem gesellschaftlich akzeptierteren Label Flucht zu versehen und damit eine Notwendigkeit zu implizieren, führt nicht nur zur schwindenden gesellschaftlichen Akzeptanz von Flüchtlingen, sondern verunmöglicht auch einen Diskurs, an dessen Ende ein einigermaßen konsistenter Plan stehen könnte.
Flecktier hat geschrieben:
13.06.2019 17:05
Sehr viele Menschen wollen keine Fremden in ihrem Umfeld. Da wird dann jedes noch so doofe Klischee gebraucht, um das zu begründen. Das macht eine sachliche Auseindersetzung so schwierig. Ansonsten ist es soch kaum erklärbar, dass die zahlreichen Russen und Polen lange nicht so viel Aufruhr verursachen, wie eine Handvoll "Andersfarbiger".
Die Auseinandersetzung wird jedoch nicht leichter, wenn man einerseits sagt, dass viele Menschen keine Fremden in ihrem Umfeld wollen, um dann die Differenzierung, die dann offenbar doch vorgenommen wird, nicht als solche aufzugreifen. Auch hier geht es letztlich um den gesellschaftlichen Diskurs und die Möglichkeit gruppenspezifische Probleme auch als solche anzusprechen.

So hängt der Erfolg der dänischen Sozialdemokraten maßgeblich damit zusammen, dass sie genau diese gruppenspezifischen Probleme angesprochen haben. Natürlich ist es ein schwerer Verstoß gegen die „Karl May-Ethik“, wenn man, wie die dänischen Sozialdemokraten, unumwunden feststellt, dass der Islam eine Integrationsbarriere ist. Aber nur so ist folgendes zu erklären:
Link hat geschrieben:Besonders am Rand der großen Städte, wo der Ausländeranteil vergleichsweise hoch ist, kann man eine Bewegung von Wählern der Rechtspopulisten hin zur sozialdemokratischen Partei beobachten, sagt der Politologe Peter Nedergaard von der Universität Kopenhagen.
Hätten die Menschen generell etwas gegen Fremde, hätten sie auch weiterhin die Volkspartei gewählt. Aber genau das haben sie nicht, weil die Sozialdemokraten etwas getan habe, was in der bisherigen Binärlogik (pauschal für oder gegen Fremde) nicht möglich war. Sie haben sich getraut, gruppenspezifische Probleme nicht auf bedauerliche Einzelfälle herunterzudimmen, sondern sie als solche zu benennen.
Flecktier hat geschrieben:
13.06.2019 17:05
"Ich hab Angst vor Kopftuchmädchen" habe ich schon innerhalb der Partei gehört.
Auch hier ist natürlich die Frage, was deine Parteigenossen meinen, wenn sie so etwas sagen. Ich glaube nämlich nicht, dass sie Angst haben von Kopftuchmädchen in irgendeiner Form bedrängt zu werden, sondern dass sie die Kopftuchkonditionierung bei Kindern als Ausdruck einer sich verfestigenden Parallelgesellschaft mit eigenem Wertekanon ansehen.

Nicht als Zeichen eines gesellschaftlichen Pluralismus, sondern als Symbol einer gesellschaftlichen Fragmentierung – und genau das macht ihnen Angst.
Flecktier hat geschrieben:
13.06.2019 17:05
Das ist das große Dilemna. Wir brauchen Zuwanderung, wir müssen und verpflichtet fühlen unser Ausbeuterrolle loszuwerden und Afrika auch mit Migration zu helfen, aber wir schaffen es ja nicht mal die schon längst hier Ansässigen wirklich aufzunehmen.
Auch hier wäre es sinnvoll, sich ehrlich zu machen und nicht mit moralisch überhöhten Pauschalzuschreibungen zu arbeiten.

So benötigen „wir“ keine allgemeine, sondern eine sehr spezielle Form der Zuwanderung (so vielk Ehrlichkeit musss sein). Diese könnte jedoch schnell, da es um gut ausgebildete Menschen geht, unter den Ausbeutergesichtspunkt fallen. Dilemmata wohin das Auge blickt :wink:

Wenn wir aufhören würden die Ausbeutung hinter vermeintlich guten Absichten zu verstecken, und statt dessen „unsere“ wirtschaftlichen Interessen offen zu vertreten, und nicht unter dem Mäntelchen der Hilfe zu verschleiern, wäre das bereits ein Fortschritt. Kapitalistischer Handel ist Ausbeutung. Immer und überall. Aber genau das ist es, was diese Länder für Ihre Entwicklung brauchen.

Transparent, regelbasiert und mit einem strukturell angelegten Wettbewerbsvorteil, der in der Lage ist die Wettbewerbsnachteile nennenswert auszugleichen (natürlich nicht ohne Gegenleistung (Good Governance) und auch nicht in separierender, sondern vereinender Form (so wie die USA es mit Westeuropa gemacht haben, muss die EU die afrikanischen Subregionen als Wirtschaftsgemeinschaften stärken).
Flecktier hat geschrieben:
13.06.2019 17:05

Selbst sachlich ist mir klar, dass wir kaum 15 Millionen Afrikaner aufnehmen können, obwohl ich es menschlich absolut begrüßen würde. Nur wie wollen wir selektieren? Schon das macht mich moralisch fertig. Welche Ansprüche stelle ich? Wer ist mir ganz persönlich willkommen?
Bevor man selektiert, muss man zunächst einmal differenzieren.

Und da muss es bei Flüchtlingen z.B. um die jeweiligen Fluchtursachen gehen. Und bei dieser Frage bin ich auch ein strikter Gegner jeglicher Obergrenze. Wenn Menschen akut um Leib und Leben fürchten müssen und/oder verfolgt werden, ist es egal wie viele kommen oder geholt werden müssen.

Man sollte sich von der eurozentrischen Vorstellung trennen, dass Einwanderung eine Art humanitäres Ventil sein kann, über das man reale oder fiktive Schuld ablassen kann. Und selbst millionenfache Einwanderung würde die Probleme Afrikas nicht lösen. Europas Probleme sowieso nicht. Es würde nur die Kapazitäten eines ohnehin schon dicht besiedelten Kontinentes schmälern eine humanitäre Flüchtlingspolitik überhaupt betreiben zu können.
noVier bedankte sich

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Re: Die SPD ...

Beitrag von paulipunx » 14.06.2019 14:55

Ist das schon dieses berühmte "Pfeifen im Walde"?

Der Serien-Wahllooser TGG markiert den starken Mann und haut große Sprüche raus. Ernsthaft, ist DAS nun die neue Strategie, SPD? Erbärmlich.
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Re: Die SPD ...

Beitrag von Flo71 » 16.06.2019 16:08

Schnigge hat geschrieben:
13.06.2019 12:16
Ansonsten ist es nicht wirklich verwunderlich, dass Umweltthemen bei einer Umfrage des Umweltministeriums, unter dem Studienthema Umweltbewusstsein und Umweltverhalten (die meinst du doch, oder?), bei denjenigen, die sich bewusst an dieser Studie beteiligen, auch entsprechend priorisiert werden.


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