Neue (Co-)Sponsoren und Partner

Vorstand, Abteilungen, Vermarktung
leo
Moderator||Moderatorin
Moderator||Moderatorin
Beiträge: 8197
Registriert: 27.05.2003 02:00
Wohnort: Berlin City and Wendland Country

Re: Neue (Co-)Sponsoren und Partner

Beitrag von leo » 19.06.2019 12:39

Außerdem haben wir gar keine Fett&Zucker-Werbung im Stadion.
Wohl aber welche für Versicherungen.
Das wäre die Lösung, denn die schützen bzw versichern uns gegen das alles. Und Geld haben sie auch.
No Idea, No Control, Lots of Freedom

paulipunx
Alter Stamm Ultra
Alter Stamm Ultra
Beiträge: 2721
Registriert: 17.09.2002 02:00
Wohnort: Dulsberg/Wandsbek

Re: Neue (Co-)Sponsoren und Partner

Beitrag von paulipunx » 19.06.2019 12:47

leo hat geschrieben:
19.06.2019 12:39
Außerdem haben wir gar keine Fett&Zucker-Werbung im Stadion.
Wohl aber welche für Versicherungen.
Das wäre die Lösung, denn die schützen bzw versichern uns gegen das alles. Und Geld haben sie auch.
Ben & Jerrys, "ok.", Fritz ... :wink:
Pro Pressefreiheit - Anti BILD!

#bildSTILLnotwelcome

BildBlog

braunweißgoe
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 19
Registriert: 14.02.2018 18:08

Re: Neue (Co-)Sponsoren und Partner

Beitrag von braunweißgoe » 19.06.2019 13:09

Okay, dann probiere ich es anders.
Vorweg erstmal, solange auf den Werbebanden nicht Nestlé oder die Deutsche Bank steht oder das Millerntor plötzlich Rheinmetall-Stadion heißt, ist es mir eigentlich ziemlich egal, wer die Werbepartner sind. Was mich an der Diskussion um Jack Daniels stört ist, dass die Gesundheitsgefahren und das Suchtpotenzial hervorgehoben wird, man das aber bei anderen Werbepartnern nicht tut. Korrigiert mich, wenn ich da falsch liege, aber bei Relentless gab es diese Diskussion meines Wissens nach nicht. Und ob man jetzt jeden Tag zwei Dosen von der Zuckerplörre oder einen halben Liter Jack Daniels trinkt, macht langfristig bestimmt keinen großen Unterschied.

Meine Vermutung ist, das einige ein grundsätzliches Problem mit der Firma haben, warum auch immer und das nun mit dem moralisch einwandfreien Argument der Gesundheitsgefahr kaschieren wollen. Ich glaube nämlich, dass wenn der Werbepartner z.b. Rotkäppchen Sekt wäre, die Diskussion nicht so abgelaufen wäre. Sollte das Suchtpotenzial und die Gesundheitsgefahren tatsächlich das Problem sein, muss man das auch konsequent auf ALLE potentiellen und aktuellen Werbepartner anwenden und dann sind finanzstarke Partner, wie ein Vorposter schon schrieb, rar gesät. Fritz Cola wäre hier ein Beispiel. Das ist es, was ich sagen wollte. Habe ich vorher blöd verpackt, dafür entschuldige ich mich.

Zum Thema Sucht kann ich nur sagen, das jemand, der so hochgradig alkoholkrank ist, dass ihn oder sie eine Bandenwerbung sofort zum erneutigen Trinken animiert, eine Veranstaltung auf der Alkohol nicht nur beworben sondern auch ausgeschenkt und konsumiert wird, vielleicht einfach grundsätzlich meiden sollte.

Grundsätzlich bin ich froh, das der FC St. Pauli offensichtlich ein attraktiver Partner für viele Firmen ist. Ich bin auch froh, das Werbepartner innerhalb der Fanszene kontrovers diskutiert werden, was ja auch durchaus schon dazu geführt hat, dass gewisse Werbung entfernt wurde. Dann sollte man aber auch einen guten Grund haben, wie beispielsweise bei Astra oder damals bei der Werbung eines Männermagazins und nicht einfach nur das potentiell Schlechte eines Produkts hervorheben und die Diskussion dann für beendet erklären ala "Wenn man Alkohol bewirbt, kann man auch Heroin bewerben".

leo
Moderator||Moderatorin
Moderator||Moderatorin
Beiträge: 8197
Registriert: 27.05.2003 02:00
Wohnort: Berlin City and Wendland Country

Re: Neue (Co-)Sponsoren und Partner

Beitrag von leo » 19.06.2019 13:13

paulipunx hat geschrieben:
19.06.2019 12:47
leo hat geschrieben:
19.06.2019 12:39
Außerdem haben wir gar keine Fett&Zucker-Werbung im Stadion.
Wohl aber welche für Versicherungen.
Das wäre die Lösung, denn die schützen bzw versichern uns gegen das alles. Und Geld haben sie auch.
Ben & Jerrys, "ok.", Fritz ... :wink:
Ich hab's geahnt/befürchtet :oops:
Ich achte einfach zuwenig auf die Werbung im Stadion.
Sorry.
No Idea, No Control, Lots of Freedom

darktrail
Moderator||Moderatorin
Moderator||Moderatorin
Beiträge: 7600
Registriert: 05.10.2010 21:58
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Neue (Co-)Sponsoren und Partner

Beitrag von darktrail » 19.06.2019 13:24

braunweißgoe hat geschrieben:
19.06.2019 13:09
Korrigiert mich, wenn ich da falsch liege, aber bei Relentless gab es diese Diskussion meines Wissens nach nicht.
Da musst du hier im Thread auf den Seiten 45 bis 50 schauen, wobei das Ganze sehr von der Coca-Cola-Diskussion inklusive einem böse unsachlichen Posting meiner Wenigkeit überlagert, aber doch durchaus erwähnt wird. Oder es ist irgendwo auf den 23 Seiten zu Relentless als neuem Trikotsponsor.
Der Fußball, das Leben und der ganze Rest:
http://gastspiel.wordpress.com/

braunweißgoe
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 19
Registriert: 14.02.2018 18:08

Re: Neue (Co-)Sponsoren und Partner

Beitrag von braunweißgoe » 19.06.2019 13:32

darktrail hat geschrieben:
19.06.2019 13:24
braunweißgoe hat geschrieben:
19.06.2019 13:09
Korrigiert mich, wenn ich da falsch liege, aber bei Relentless gab es diese Diskussion meines Wissens nach nicht.
Da musst du hier im Thread auf den Seiten 45 bis 50 schauen, wobei das Ganze sehr von der Coca-Cola-Diskussion inklusive einem böse unsachlichen Posting meiner Wenigkeit überlagert, aber doch durchaus erwähnt wird. Oder es ist irgendwo auf den 23 Seiten zu Relentless als neuem Trikotsponsor.
Okay danke. Ich gebe zu, ich habe jetzt nicht die Threads durchrecherchiert. Bin jetzt nur von meinem Bekanntenkreis ausgegangen. Mir stößt das deshalb das Thema auch nur sauer auf, da ich in diesem nämlich exakt die selbe Diskussion geführt habe. Ironischerweise in einer Kneipe....

paulipunx
Alter Stamm Ultra
Alter Stamm Ultra
Beiträge: 2721
Registriert: 17.09.2002 02:00
Wohnort: Dulsberg/Wandsbek

Re: Neue (Co-)Sponsoren und Partner

Beitrag von paulipunx » 19.06.2019 13:39

braunweißgoe hat geschrieben:
19.06.2019 13:09
Korrigiert mich, wenn ich da falsch liege, aber bei Relentless gab es diese Diskussion meines Wissens nach nicht. Und ob man jetzt jeden Tag zwei Dosen von der Zuckerplörre oder einen halben Liter Jack Daniels trinkt, macht langfristig bestimmt keinen großen Unterschied.
Zu Punkt 1 hat ja darktrail sich schon geäußert, das wurde damals definitv aus verschiedensten Gründen diskutiert.

Zu Punkt 2: na gut, dass aus dir kein Mediziner geworden ist. Oder etwa doch eventuell? :P:

Ich finde es schon angebracht, Sponsoren immer auch kritisch zu beäugen. Sei es der Business-Hintergrund allgemein (bspw. bei Relentless damals in bezug auf Coca Cola) oder jetzt auch Under Armour, ebenso aber auch nach "gesundheitlichen" bzw. für einen Sportverein passenden Background.

Ich frage mich schon, warum ein ProfiSPORT-Verein nun zwingend mit Alkohol, Eis, Brausen oder anderem werben muss. Gleiches gilt für Wettanbieter. Auch wenn das natürlich recht blauäugig ist, dass weiß ich selber. Man muss ja auch irgendwie Geld verdienen. Man mag es für spießig halten oder nicht: ich finde es schon gut, dass es im gesellschaftlichen Diskurs zu solchen Themen wie Alkohol- und Zigarettenkonsum einen Wandel gibt. Gerade, da ja nun auch eine Vielzhal an Kindern sehr großes Identifikationspotenzial mit Vereinen wie dem unseren verbinden, ist es definitiv angebracht.

Meine Wenigkeit ist als Kind aber selbstverständlich auch im damaligen Jack Daniels-Trikot umherstolziert, ohne heutzutage dann automatisch zum Alkoholiker zu mutieren. Dennoch finde ich es beim Blick auf alte Bilder dann doch etwas komisch, wenn man einen Jungen sieht, der Alkoholwerbung spazieren trägt. Ebenso vor Kurzem mit diesen komischen Captain Morgan-Hüten, mit denen dann natürlich auch eine Menge Kinder unterwegs waren. Das finde ich persönlich doch immer ein wenig befremdlich, wenn in so jungen Jahren bereits eine emotionale Bindung zu derartigen Produkten eingeleitet wird.
Zuletzt geändert von paulipunx am 19.06.2019 17:17, insgesamt 1-mal geändert.
Pro Pressefreiheit - Anti BILD!

#bildSTILLnotwelcome

BildBlog

braunweißgoe
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 19
Registriert: 14.02.2018 18:08

Re: Neue (Co-)Sponsoren und Partner

Beitrag von braunweißgoe » 19.06.2019 14:05

paulipunx hat geschrieben:
19.06.2019 13:39
braunweißgoe hat geschrieben:
19.06.2019 13:09
Korrigiert mich, wenn ich da falsch liege, aber bei Relentless gab es diese Diskussion meines Wissens nach nicht. Und ob man jetzt jeden Tag zwei Dosen von der Zuckerplörre oder einen halben Liter Jack Daniels trinkt, macht langfristig bestimmt keinen großen Unterschied.
Zu Punkt 1 hat ja darktrail sich schon geäußert, das wurde damals definitv aus verschiedensten Gründen diskutiert.

Zu Punkt 2: na gut, dass aus dir kein Mediziner geworden ist. Oder etwa doch eventuell? :P:

Ich finde es schon angebracht, Sponsoren immer auch kritisch zu beäugen. Sei es der Business-Hintergrund allgemein (bspw. bei Relentless damals in bezug auf Coca Cola) oder jetzt auch Under Armour, ebenso aber auch nach "gesundheitlichen" bzw. für einen Sportverein passenden Background.

Ich frage mich schon, warum ein ProfiSPORT-Verein nun zwingend mit Alkohol, Eis, Brausen oder anderem werben muss. Gleiches gilt für Wettanbieter. Auch wenn das natürlich recht blauäugig ist, dass weiß ich selber. Man muss ja auch irgendwie Geld verdienen. Man mag es für spießig halten oder nicht: ich finde es schon gut, dass es im gesellschaftlichen Diskurs zu solchen Themen wie Alkohol- und Zigarettenkonsum einen Wandel gibt. Gerade, da ja nun auch eine Vielzhal an Kindern sehr großes Identifikationspotenzial mit Vereinen wie dem unseren verbinden, ist es definitiv angebracht.

Meine Wenigkeit ist als Kind aber selbstverständlich auch im damaligen Jack Daniels-Trikot umherstolziert, ohne heutzutage dann automatisch zum Alkoholiker zu mutieren. Dennoch finde ich es beim Blick auf alte Bilder dann doch etwas komisch, wenn man einen Jungen sieht, der Alkoholwerbung spazieren trägt. Ebenso vor Kurzem mit diesen komischen Captain Morgan-Hüten, mit denen dann natürlich auch eine Menge Kinder unterwegs waren. Das finde ich persönlich doch immer ein wenig befremdlich, wenn in so jungen Jahren bereits eine emotioanale Bindung zu derartigen Produkten eingeleitet wird.
Kann dich beruhigen, ich bin kein Mediziner :D Natürlich ist es gut, das man solche Sachen diskutiert, habe ich in meinem vorherigen Post ja auch erwähnt. Ich denke nur, das es zu kurz gegriffen ist, einen Werbepartner zu verdammen, nur weil er ein potentiell krank machendes Produkt verkaufen will. Was wäre denn die alternative? Ein Werbepartner Ethikrat, der alle Firmen auf Konformität überprüft? Profifußball ist leider ein Geschäft in dem man ohne finanzkräftige Partner nicht bestehen kann. Wenn man jetzt bei jedem Werbepartner das Haar in der Suppe sucht, sei es Konzernzugehörigkeit, Gesundheitsgefahr etc. steht man bald mit Onkel Bennos Tabaklädchen auf der Brust da und dann kommen wieder Leute, das rauchen schädlich wäre. Jedem ist selbst überlassen, ob er das Zeug trinken will, genauso ist es jedem selbst überlassen, ob er seine Kinder mit Captain Morgan Hut rumlaufen lassen will. Aber der Verein ist auf Werbeeinnahmen und Sponsoren angewiesen. Wenn der neue Partner jetzt ein Produkt von Nestlé oder dergleichen wäre, könnte ich es verstehen. So finde ich es ein wenig kleinlich.

darktrail
Moderator||Moderatorin
Moderator||Moderatorin
Beiträge: 7600
Registriert: 05.10.2010 21:58
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Neue (Co-)Sponsoren und Partner

Beitrag von darktrail » 19.06.2019 14:05

paulipunx hat geschrieben:
19.06.2019 13:39
Dennoch finde ich es beim Blick auf alte Bilder dann doch etwas komisch, wenn man einen Jungen sieht, der Alkoholwerbung spazieren trägt. Ebenso vor Kurzem mit diesen komischen Captain Morgan-Hüten, mit denen dann natürlich auch eine Menge Kinder unterwegs waren. Das finde ich persönlich doch immer ein wenig befremdlich, wenn in so jungen Jahren bereits eine emotioanale Bindung zu derartigen Produkten eingeleitet wird.
Es ist etwas am Rande des Themas, aber vor ein paar Jahren hat Berliner Pilsner beim Finale des Landespokals aufblasbare Bierflaschen verteilt. Es ist ein völlig skurriles Bild, sieben- oder achtjährige Kinder mit Kuschelbierflasche in der Hand zu sehen. Sowas finde ich tatsächlich extrem problematisch - Produkte mit solcher Werbung, die offensichtlich auf Kinder ausgerichtet sind.

Bei simpler Bandenwerbung muss ich gestehen, dass ich eher in Richtung "so what?" gehe - so ein Stadion ist nicht nur für Kinder ein in vielerlei Hinsicht kritisches Umfeld, und einiges davon wird man schlicht nicht los - wobei die Fanszene Dresden zumindest keine Aufblasnazis verteilt. Die Banden müssen halt gefüllt werden, und was für ne Branche das ist, finde ich eher sekundär. Unternehmen sind im absoluten Regelfall scheiße, das ist ihr Wesen. Geld für sich selbst verdienen im Wettbewerb mit anderen. Man kann da ein wenig nach Geruch sortieren, aber finden wird man in eigentlich jedem Fall was. Atomkraft ist ja zurecht raus, wegen bumm und kaputt. Waffen aus ähnlichen Gründen. Glücksspiel, Drogen, das ist zwar nicht nur, aber zuvorderst Selbstzerstörung und wirkt erst sekundär fremd- oder systemzerstörend. Die Art und Weise der Selbstzerstörung will ich niemandem vorschreiben. Klar, ob man das als Sportverein propagieren muss, ist eine andere Frage, aber am Ende gibt es auch einfach die Realität im Sport wieder. Wird halt nirgendwo mehr gesoffen. Ja, das ist nicht gut, aber Werbung ist per se keine so progressive Sache, sondern fühlt sich logischerweise dort am wohlsten, wo die Kunden sind. Jeder zieht da die Grenze des Erträglichen anders, was Inhalt und auch Form (siehe Astra) angeht. Ein Schnapshersteller ist bei mir letztlich nicht auf der unerträglichen Seite für Bandenwerbung, damit ist er wohl auf der erträglichen und damit ist es mir im Endeffekt egal. Zumal ich eh skeptisch bin, was den Nutzen von konventioneller Werbung bei bekannten Marken heutzutage angeht.

Als Frage eines Lifestyles würde ich es gleichwohl nicht verstehen, ob schlechter Whiskey im Stadion meines Lieblingsvereins beworben wird oder nicht. Auch nicht, ob werden darf oder nicht. Ich nehme mir auch die Freiheit, auf Captain Morgan zu verzichten und habe aus gänzlich vereinsunabhängigen Gründen aktuell einen Congstar-Vertrag. Weil das eine schlecht ist und die anderen ganz gut sind. Nicht für mich körperlich, sondern auf ihre jeweilige Branche bezogen. Selbst wenn ich also meinen Lifestyle durch das definiere, was ich konsumiere, bleibt es für mich gänzlich unwichtig, was mein Lieblingsvereinsstadion mir zu konsumieren rät. Man macht sich doch sowohl als Verein, als auch als Fan mit Werbepartnern nur in begrenztem Maße gemein, zumindest sollte das so sein, und dementsprechend größer ist für mich die Spannbreite dessen, was ich tolerabel finde. Es ist für mich einfach jenseits der Frage, welches Unternehmen man als im weitesten Sinne irgendwie okay betrachtet, nicht mehr und nicht weniger als eine Einnahmequelle, ein notwendiges Übel. Aber nichts, was ich in der einen oder anderen Hinsicht als irgendwie prägend ansähe.

Gleichwohl, um noch einen anderen Punkt ausgleichend anzusprechen, finde ich es wieder gut, dass wir alle unterschiedliche Toleranzschwellen in unterschiedlichen Bereichen haben und auf unterschiedliche Dinge Wert legen, so hippieesk das jetzt klingen mag. Vielleicht sähe ich die Sache auch anders, hätte ich beispielsweise Alkoholiker in der Familie. Das ist normal in so einer Diskussion.

Und dann haben wir nach Merchprodukten und Bandenwerbung noch den dritten Bereich, das ist Product Placement in sozialen Medien usw., und das finde ich als Werbeform prinzipiell so scheiße, dass mir eigentlich egal ist, ob Marvin Knoll da mit ner Whiskeyflasche, ner Congstar-SIM oder nem Salzbrenner-Würstchen am Tresen sitzt.
Der Fußball, das Leben und der ganze Rest:
http://gastspiel.wordpress.com/

Keksi08
Alter Stamm
Alter Stamm
Beiträge: 145
Registriert: 02.07.2004 00:51

Re: Neue (Co-)Sponsoren und Partner

Beitrag von Keksi08 » 21.06.2019 23:38

paulipunx hat geschrieben:
19.06.2019 13:39

Ich frage mich schon, warum ein ProfiSPORT-Verein nun zwingend mit Alkohol, Eis, Brausen oder anderem werben muss. Gleiches gilt für Wettanbieter. Auch wenn das natürlich recht blauäugig ist, dass weiß ich selber. Man muss ja auch irgendwie Geld verdienen. Man mag es für spießig halten oder nicht: ich finde es schon gut, dass es im gesellschaftlichen Diskurs zu solchen Themen wie Alkohol- und Zigarettenkonsum einen Wandel gibt. Gerade, da ja nun auch eine Vielzhal an Kindern sehr großes Identifikationspotenzial mit Vereinen wie dem unseren verbinden, ist es definitiv angebracht.
Ich glaube es ist andersrum, dass die Eis und Brause-Industrie usw. dringend beim Sport werben muss, damit weniger auffällt, was für ungesundes Zeug da an die Leute gebracht werden soll. Die fast allgegenwärtige Coca-Cola-Werbung bei allen Sportveranstaltungen, auch im Breitensport, die McDo-Einlaufkinder bei den Fussball-WMs und eben auch die von paulipunx genannten Beispiele bei uns. Dazu kommt, dass das Sportumfeld auch diesen "mit ordentlich Bewegung ist das gar nicht so schlimm"-Gedanken verstärkt, nur dass sich eben die meisten scheiße ernähren und gleichzeitig viel zu wenig bewegen und deshalb eben doch krank werden. Und diesen Imagetransfer lassen sich die Produzenten dann offenbar so viel Kosten, dass die Vereine an dieser Einnahmequelle nicht vorbei kommen.
Und das ist dann wohl auch übertragbar auf die Alkwerbung, wobei da noch dazu kommt, dass für viele Menschen Fussball und Vollrausch zusammengehören.

DylanDog
Alter Stamm Ultra
Alter Stamm Ultra
Beiträge: 1537
Registriert: 21.11.2004 10:43

Re: Neue (Co-)Sponsoren und Partner

Beitrag von DylanDog » 24.06.2019 08:36

Keksi08 hat geschrieben:
21.06.2019 23:38


wobei da noch dazu kommt, dass für viele Menschen Fussball und Vollrausch zusammengehören.

Das ist so wie früher bei uns in der Dorfdisko mit der Musik. Die lies sich nüchtern auch nicht ertragen .... :D
Ceterum censeo antisemitismum esse delendum.

liebknecht
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 34
Registriert: 04.04.2012 21:04

Re: Neue (Co-)Sponsoren und Partner

Beitrag von liebknecht » 24.06.2019 13:10

Keksi08 hat geschrieben:
21.06.2019 23:38


wobei da noch dazu kommt, dass für viele Menschen Fussball und Vollrausch zusammengehören.
"RECHT AUF RAUSCH POSTULIERT KEINE PFLICHT ZUM RAUSCH"
Dr. Günter Amendt - 2000 - Hamburg

Genau das ist für mich der Punkt. Ich für meine Person möchte niemanden sein individuelles Recht auf Konsum / Vollrausch absprechen - letztendlich liegt es in der Selbstverantwortung eines Jeden, wie er mit Drogen inklusive der Volksdroge Alkohol umgeht und welchen Schaden er sich und seinem Umfeld ggf. zufügen möchte. Leider besteht insbesondere bei Alkohol die Gefahr, dass es mit der Selbstverantwortung hinsichtlich des persönlichen Konsums nach jahrelangem / jahrzehntelangem Missbrauch nicht mehr so weit her ist. Die Entscheidung: "Ich möchte / ich möchte nicht konsumieren" entfällt spätestens dann, wenn die Phase der psychischen oder gar der körperlichen Abhängigkeit erreicht ist - dann ist es mit dem Recht auf Rausch vorbei - aus Recht wird Pflicht!

Wenn ich hier als Betroffener einen kritischen Umgang mit Werbepartner des FC St. Paulis aus dem Bereich abhängig machender Substanzen einfordere, geht es nicht darum:


* Alkohol grundsätzlich zu verteufeln
* Menschen ihr Recht auf Rausch abzusprechen
* moralisierend den Zeigefinger zu erheben
* dem cleanen, spaßbefreitem Fußball-Familienevent das Wort zu reden
* dem Verein "zu verbieten", grenzwertige Werbepartner zu generieren

Aus leidvoller persönlicher Erfahrung heraus nehme ich aber für mich das Recht in Anspruch:

* auf die Folgen missbräuchlichen Konsums für die Betroffenen und deren engstes Umfeld hinzuweisen
* den Verein in die Pflicht zu nehmen, kritisch mit seinen Werbepartnern umzugehen
* den Verein auf seine Verantwortung hinzuweisen, gerade im Kinder- und Jugendbereich vermehrt alternative Handlungsweisen zum Konsum zu propagieren
* daran zu arbeiten, dass auch im Fan-Bereich "Spaß haben" nicht grundsätzlich mit Konsum / Vollrausch gleichgesetzt wird

Ich bin weit davon entfernt, dem Verein, seinen Werbepartnern, dem St. Pauli-Umfeld, konsumierenden Millerntor-Besuchern, Fan-Publikationen, Büchern und Filmen über den FC nur den Hauch einer "Schuld / Mitschuld" an meiner Alkoholiker-Karriere zu geben. Aber: Mein nahezu dreißigjähriges nasses Denken, Fühlen und Handeln fand im und um das FC-Umfeld einen fruchtbaren Boden vor. Rausch und Kontrollverlust wurden nicht etwa kritisch hinterfragt - ganz im Gegenteil, durch die Gemeinschaft der Konsumierenden und die scheinbare Selbstverständlichkeit dieser "Sex and Drugs and Rock`n Roll - Welt" sah ich keinen Grund, meine Sucht-Abwärtsspirale frühzeitiger zum Stillstand zu bringen.

Sucht hat sehr viele, sehr vielschichtige Ursachen. Die meisten Bausteine für eine spätere Suchtorientierung liegen im ganz persönlichen Bereich der Betroffen - der Faktor "Werteorientierung des sozialen Umfeldes" ist aus meiner Erfahrung heraus aber keinesfalls zu vernachlässigen. Wenn der Verein schon mit ASTRA / CM und / JD Geld verdienen will/muss, spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, einen Teil der Einnahmen für eine langfristige Kampagne zu nutzen, die die Ausschließlichkeit von Fußballvergnügen und Drogenkonsum intelligent hinterfragt. Und: Aus dem einen oder anderen Beitrag hier habe ich entnommen, dass etliche User das ritualisierte Konsumverhalten der meisten SP-Anhänger zumindest grenzwertig finden. Was spricht dagegen, den zahlreichen Blogs, Twitterbeiträgen, Artikeln in Fanzines, Posts, Fotos etc., die sich mehr oder weniger im wesentlichen mit der Konsummenge, dem Geschmack und der Wirkung des jeweiligen Auswärtsbieres beschäftigen, einmal komafreie Erlebnisse entgegen zu setzen?

In diesem Sinne - danke fürs Lesen, Diskutieren und Kommentieren
allerfeinste Grüße von den

Weiß-braunen Kaffeetrinkern
Zuletzt geändert von liebknecht am 24.06.2019 14:00, insgesamt 1-mal geändert.

Tyler
Alter Stamm Ultra
Alter Stamm Ultra
Beiträge: 9128
Registriert: 04.11.2002 01:00
Wohnort: somewhere between heaven and hell

Re: Neue (Co-)Sponsoren und Partner

Beitrag von Tyler » 24.06.2019 13:47

Hat nicht direkt mit dem Thema zu tun, aber zwischen "mal ein, zwei Bierchen zwitschern" und dem, was man zum Beispiel auf Auswärtsfahrten erlebt, liegen Welten. Morgens um 5.30 (!) Uhr am Hauptbahnhof bereits das erste Hopihalido in der Hand, bevor die Fahrt überhaupt losgeht. Auf dem Bahnsteig warten dann 10 Paletten Dosenbier als klitzekleine Wegzehrung. Ich trink auch gern mal (mal!) was, aber dieses ritualisierte Besäufnis nervt einfach nur noch. Es kann mir keiner erzählen, dass man mit zwölf halben Litern plus nem Korn intus noch das Auswärtsspiel verfolgen kann.
Aus Protest AfD zu wählen, weil die Politik nicht gefällt, ist, wie in der Kneipe aus dem Klo zu trinken, weil das Bier nicht schmeckt.

liebknecht
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 34
Registriert: 04.04.2012 21:04

Re: Neue (Co-)Sponsoren und Partner

Beitrag von liebknecht » 26.06.2019 21:43

braunweißgoe hat geschrieben:
19.06.2019 13:09

Zum Thema Sucht kann ich nur sagen, das jemand, der so hochgradig alkoholkrank ist, dass ihn oder sie eine Bandenwerbung sofort zum erneutigen Trinken animiert, eine Veranstaltung auf der Alkohol nicht nur beworben sondern auch ausgeschenkt und konsumiert wird, vielleicht einfach grundsätzlich meiden sollte.
… das hier hatte ich bisher überlesen …

Diese Argumentation könnte mensch auch wie folgt erweitern:

* um in den vollen Genuss von Fußballspielen zu kommen, sollte mensch als Zuschauer*in über ausreichendes Sehvermögen verfügen - wer darüber nicht verfügt, sollte ggf. diesen Veranstaltungen fernbleiben … (Der FC St. Pauli sieht das anders, und bietet einen speziellen Service für diese Besuchergruppe an.).
* Fußballstadien sind in der Regel für körperbehinderte Menschen eine echte Herausforderung. Barrierefreiheit ist in den seltensten Fällen gegeben. In Kenntnis dieser Umstände sollten Menschen mit Beeinträchtigungen daher Stadien lieber meiden … (Der FC St. Pauli sieht das anders, hat extra einen Behindertenbeauftragten für die Heimspiele - der sich im übrigen auch bei Auswärtsspielen vorbildlich engagiert - inthronisiert und arbeitet an weiteren Möglichkeiten, das Millerntorstadion barrierefreier zu gestalten.).

Ich hatte in meinem ersten Statement schon darauf hingewiesen, dass der Verein Anfang des Jahres eine sehr gut besuchte Inklusionsveranstaltung durchgeführt hat. Die grundsätzliche Übereinstimmung der Anwesenden bestand darin, dass es im Verein und in der Anhängerschaft die unterschiedlichsten Gruppen von Menschen gibt, die in ihrer Vielfältigkeit erstens zu akzeptieren sind und für deren spezielle Bedürfnisse es einzutreten gilt - die Umsetzung wird nicht jetzt und sofort erfolgen - es bleibt ein eher langfristiges Ziel - unsere Forderungen formulieren wir aber aktuell mit großem Nachdruck und Bestimmtheit. Suchtkranke Menschen sind selbstverständlich nur ein kleiner Teil der SP-Vielfältigkeit - aber warum sollten gerade sie auf das gesellschaftliche Ereignis "Live-Fußball" verzichten? Laut UN-Konvention Artikel 24 stellt Inklusion ein Menschenrecht dar - folglich gilt es, dieses einzufordern und nicht, an heiklen Stellen aus Selbstschutzgründen, den unfreiwilligen Rückzug anzutreten.


Beste Grüße von den Weiß-braunen Kaffeetrinkern


PS.: Gerade weil wir um die mögliche triggernde Wirkung von Stadionbesuchen bei noch nicht so stabilen Suchtaussteigern wissen, bieten wir für diesen Personenkreis begleitete Millertorbesuche an - mein Wunsch wäre es, dass das eines Tages nicht mehr nötig ist.
emzpiraatin, Sutje, isa bedankten sich

Antworten