"intifada"-ska-p

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leo
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Beitrag von leo » 15.12.2017 19:46

Du meinst also auch, dass diese linken Gut-Stalinisten dir alles, was Spaß macht, verbieten und schlimmer sind als die Nazis?

Oioioi. :(

( im Ernst, Fangerichtshof geht gar nicht.das ist richtig Kacke und völlig daneben)
Kein
Mensch
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stunner
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Beitrag von stunner » 15.12.2017 19:49

leo hat geschrieben:(Datum Originalbeitrag: 15.12.2017 19:46 GMT +1)

Du meinst also auch, dass diese linken Gut-Stalinisten dir alles, was Spaß macht, verbieten und schlimmer sind als die Nazis?

Oioioi. :(

( im Ernst, Fangerichtshof geht gar nicht.das ist richtig Kacke und völlig daneben)
Ich glaube, Dir ist einfach nur die subtile Schönheit meines Gedankens entgangen. ;)
Just because you’re paranoid doesn’t mean they’re not after you

Enniger
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Beitrag von Enniger » 16.12.2017 02:14

Milhouse hat geschrieben:(Datum Originalbeitrag: 14.12.2017 13:23 GMT +1)
smashedup hat geschrieben:(Datum Originalbeitrag: 14.12.2017 11:47 GMT +1)
Puh, das ist aber auch eine bequeme Position.
Ich finde, dass ist das genaue Gegenteil: Wenn du nur privat, von Angesicht zu Angesicht , diskutierst, dann bist du gezwungen, dich mit deinem Gegenüber auseinanderzusetzen. Du musst überzeugen, versuchen den anderen zu verstehen und kannst reagieren. Ich kenne Leute von "beiden Seiten" und niemand kommt in Gesprächen so kompromisslos rüber, wie die Vertreter einer der Seiten in Foren. (Vielleicht kenne ich aber auch nur die falschen Leute)

Bequem ist es, im Besitz der alleinigen Wahrheit zu sein, die immer wieder zu verkünden und nicht bereit zu sein, auf Argumente der anderen Seite einzugehen. Ich verstehe jeden, der sich hier daran nicht beteiligt
Sind denn das Phänomene, die nur bei dieser Thematik auftreten? Nach meiner Wahrnehmung trifft es auf alle Meinungsverschiedenheiten zu, dass sie in anonymen Foren anders ausgetragen werden als im Privaten. Und wenn unterstellt wird, dass eine Sichtweise, eine Meinung oder ein Liedtext rassistisch, sexistisch oder homophob sei, ist das Ergebnis auch eher selten, dass sich am Ende alle einig sind. Das besondere an "Israel-Kritik"- bzw. Antisemitismus-Diskussionen in diesem Forum ist, dass gleich die Beißreflexe kommen von den Leuten, die sagen, da könne man nicht drüber diskutieren, weil der Nahost-Konflikz so kompliziert sei, und die Anti-Imps und die Anti-Deutschen so unversöhnlich zueinander seien. Wobei zumindest letztere doch eher eine ziemlich marginale Bewegung ist.

In der Antisemitismus-Debatte geht es nicht um eine Positionierung im Nahost-Konflikt, sondern um die Rezeption des Konflikts. In der Linken, in Deutschland oder in der ganzen Welt. Ich finde es per se erstaunlich, dass, wenn in der Region, in der in den letzten Jahren zig Tausende Menschen, v.a. Muslime, z.B. in Syrien, im Jemen, im Irak getötet worden sind und Millionene auf der Flucht sind, eine Verlegung einer Botschaft einen solchen Aufruhr verursacht, da das den Frieden in der Region gefährde. Wer, wie, ich, in der Rezeption antisemitische Muster erkennt, muss erstens nicht jede Entscheidung der israelischen Regierung für richtig halten, noch jeden, der antisemitische Stereotype wiedergibt, für einen Antisemiten halten.

Und zm Boykott-Aufruf aus der Hafenstraße.: Ich denke, seit damals hat sich schon sehr viel verändert. Heute wär das dort nicht mehr möglich. In den 80-ern, als ich selbst politisiert wurde, gehörte nach meinem Eindruck die Solidarität mit Palästina in der Linken zur Folklore, und die Feindschaft zu Israel war, wenn nicht Konsens, dann zumindest Mainstream. Bei mir wars nicht anders. Dass sich meine Sichtweise geändert hat, dass ein "Boykottiert "Israel"" vielleicht noch in der B5 denkbar ist, aber in der Linken nicht mehrheitsfähig ist, dass an der Flora zun G20 "gegen jeden Antisemismus" hing, dass sich unsere Vereinsführung für das Lied entschuldigt hat, das alles ist eine Folge von den öffentlichen Diskussionen über das Thema, an denen sich Leute beteiligt haben, obwohl das alles so schrecklich komplex ist.

Tyler
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Beitrag von Tyler » 16.12.2017 15:08

Ach so, jetzt sind es plötzlich die "Zwischentöne"-Menschen, die mit "Beißreflexen" kommen. Die Diskussions-Täter sind eigentlich die Opfer. Ja nee, is klar.

Und es geht auch nicht darum, dass "man nicht darüber diskutieren" kann, weil es "komplex" oder "kompliziert" ist. Sondern dass viele Leute inzwischen keinen Bock mehr auf die Diskussion haben, weil sie von Antiimps und Antideutschen und ihresgleichen mit einem Absolutismus geführt wird, dass für Zwischentöne eben kein Platz ist.

Nun verstanden? Ist doch gar nicht so komplex, äh, schwer. ;-)
Aus Protest AfD zu wählen, weil die Politik nicht gefällt, ist, wie in der Kneipe aus dem Klo zu trinken, weil das Bier nicht schmeckt.

Milhouse
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Beitrag von Milhouse » 16.12.2017 22:12

Mir geht es bei Vegetarier / Fleischesser oder Radfahrer / Autofahrer auch so. Da habe ich schlicht und einfach keinen Bock drauf, mich in Foren oder bei Facebook mit rumzuärgern. Weil beide Seiten ganz offensichtlich kein Interesse haben, die Beweggründe der anderen Seiten versuchen zu verstehen.

Persönlich am Tresen oder so bin ich dagegen(fast) jederzeit bereit, darüber zu reden (nach nem 6-0 gegen Bochum eher nicht).

Und ich glaube auch nicht, dass sich die Meinung der Hafenstrasse oder Flora geändert hat, weil in Foren darüber diskutiert wurde. Das dürfte sich auch eher in persönlichen Gesprächen ergeben haben (ich habe aber auch die seitenlangen Theorieabhandlungen beider Seiten in Zeck und Co immer überblättert...)

Ich kann deine Meinung gut nachvollziehen, verstehen, wenn ich sie auch nicht in allen Punkten teile. Aber leider ist so eine Haltung im Nahost-Thread eher selten.

Enniger
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Beitrag von Enniger » 16.12.2017 23:47

Tyler hat geschrieben:(Datum Originalbeitrag: 16.12.2017 15:08 GMT +1)

Ach so, jetzt sind es plötzlich die "Zwischentöne"-Menschen, die mit "Beißreflexen" kommen. Die Diskussions-Täter sind eigentlich die Opfer. Ja nee, is klar.

Und es geht auch nicht darum, dass "man nicht darüber diskutieren" kann, weil es "komplex" oder "kompliziert" ist. Sondern dass viele Leute inzwischen keinen Bock mehr auf die Diskussion haben, weil sie von Antiimps und Antideutschen und ihresgleichen mit einem Absolutismus geführt wird, dass für Zwischentöne eben kein Platz ist.

Nun verstanden? Ist doch gar nicht so komplex, äh, schwer. ;-)
Verstanden habe ich noch nicht ganz, was die Diskussion signifikant unterscheidet von anderen Forums-Diskussionen. In wie fern es Täter und Opfer in den Diskussionen gibt, versteh ich auch nicht wirklich. Vielleicht liegts am Beiß- vor dem Reflex, was in diesem Fall tatsächlich unangebracht ist. Im Allgemeinen liegt es ja am Standpunkt des Rezepienten, ob ein erwartbarer Widerspruch berechtigt ist, oder obs ein Beißreflex ist. In diesem Fall handelt es sich ja um den ich glaube bei diesem Thema schon öfter hier beobachteten Reflex, dass mitgeteilt wird, darüber nicht mitdiskutieren zu wollen.

Wogegen natürlich rein gar nichts einzuwenden ist. Wie die meisten Foristen diskutiere ich bei der überwältigenden Mehrheit der hier verhandelten Themen nicht mit. Aus unterschiedlichen Gründen: kein Interesse, keine Ahnung, gerade keine Lust, zu ermüdend, zu redundant, oder weil eine differenzierte Diskussion in Foren nicht möglich ist. Nur beteiligt man sich dann ja meist einfach nicht an einer Diskussion. Das Bedürfnis, Diskussionen dadurch zu bereichern, dass man kund tut, sich nicht daran beteiligen zu wollen, scheint bei diesem Thema besonders ausgeprägt zu sein.

Und ja, ich habe verstanden, dass das an den anderen Diskussionsteilnehmern liegt.

Enniger
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Beitrag von Enniger » 17.12.2017 00:07

Milhouse hat geschrieben:(Datum Originalbeitrag: 16.12.2017 22:12 GMT +1)

Und ich glaube auch nicht, dass sich die Meinung der Hafenstrasse oder Flora geändert hat, weil in Foren darüber diskutiert wurde. Das dürfte sich auch eher in persönlichen Gesprächen ergeben haben (ich habe aber auch die seitenlangen Theorieabhandlungen beider Seiten in Zeck und Co immer überblättert...)
Natürlich nicht in Internet-Foren. Wenn es die Probleme in den Diskussionen nur dort gibt, dann liegt es wohl vor allem am Ort und nicht am Thema.

Ansonsten glaube ich nicht, dass sich die Meinungsbildung in erster Linie am Kneipen-Tresen oder am WG-Küchentisch entwickelt. Für den Einzelnen kann das natürlich zutreffen, aber ich denke schon, dass sich das, was in Zeitschriften, auf Veranstaltungen oder in irgendwelchen Plenen verhandelt wird, sich auch in den Tresengesprächen neiderschlägt.

Früher hab ich mir z.B. meine Meinung über die Vereinsführung im Übersteiger angelesen. Also als es noch nicht inoffizielles Zentralorgan des Präsidiums war. :duck:

Milhouse
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Beitrag von Milhouse » 17.12.2017 01:02

Enniger hat geschrieben:(Datum Originalbeitrag: 17.12.2017 00:07 GMT +1)

Natürlich nicht in Internet-Foren. Wenn es die Probleme in den Diskussionen nur dort gibt, dann liegt es wohl vor allem am Ort und nicht am Thema.

Ansonsten glaube ich nicht, dass sich die Meinungsbildung in erster Linie am Kneipen-Tresen oder am WG-Küchentisch entwickelt. Für den Einzelnen kann das natürlich zutreffen, aber ich denke schon, dass sich das, was in Zeitschriften, auf Veranstaltungen oder in irgendwelchen Plenen verhandelt wird, sich auch in den Tresengesprächen neiderschlägt.
Ja, so seh ich das auch. Aber ich hab ja auch im Großen und Ganzen nichts anderes behauptet.

Und das ich hier kundgetan habe, dass ich nicht mitdiskutieren will, war ja eine unmittelbare Reaktion auf halbfans These, dass der Dunstkreis dieses Lied jetzt auf alle Zeiten verteufeln wird. Bzw. Tylers Beitrag dazu.

Aus heiterem Himmel mitzuteilen, dass man nichts mitzuteilen gedenkt, wäre in der Tat skuril

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Beitrag von Enniger » 17.12.2017 09:14

Mir ging es in erster Linie darum, die Ehre der Debatte zu retten. Ich kann schon gut verstehen, dass man da nicht immer Bock drauf hat, weils oft anstrengend, redundant und erstmal wenig fruchtbar ist, erst recht in Internet-Foren. Aber anhand des Beispiels von der Hauswand in der Hafenstraße wird finde ich schon deutlich, dass sich da einiges bewegt hat. Mitten in einer hitzigen, stark polarisierend geführten Diskussion ist es -wie bei vielen anderen Kontroversen- sicherlich eher selten, dass jemand von seinem Standpunkt abrückt. Aber ich bin froh, dass die Diskussionen geführt wurden, und ich halte sie nach wie vor für notwendig.

Insofern würde ich dem halbfan dahingehend zustimmen, dass die Diskussion um den Song und die Stellungnahme des Vereins eine gute Sache ist. Auch wenn natürlich nicht jeder, der Lied und Text bis dahin voll dufte fand, das jetzt umgehend verteufeln wird.

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Beitrag von halbfan » 17.12.2017 16:13

Ich mag im Zusammenhang zu meinem Beitrag hierzu ergänzen, dass ich in erster Linie ein öffentliches Goutieren dieses Stückes meine. Tatsächlich würde es mich sehr verwundern bis verstören, wenn nun beispielsweise im Fanladen dieses Stück gespielt werden würde.

Was jemand privat hört, lässt sich nicht verbieten und kann man niemandem vorschreiben. Sehr wohl aber, wenn es um Öffentlichkeit geht!

Ich kenne z.B. einige Gothics, die die Band "Death in June" total toll finden. Sie mögen ihre, diese Musik, die Melodik. Als ich diese dann mal aufklärte, wie rechtsextremistisch diese Band ist, sind jene aus allen Wolken gefallen.
Das Ergebnis war, dass sie nun nicht all ihre CDs dieser Band entsorgt hätten. Die Musik mögen sie weiterhin.
Aber sie sind davon abgerückt, auf ein Konzert zu gehen. Einer Naziband zuzujubeln, das ging ihnen dann doch zu weit.

Ähnlich meine ich das hier. Wer das Stück, seiner Melodie wegen, vorher mochte, wird es jetzt doch sicher immer noch mögen.
Aber auf die Idee kommen, es auf einer St. Pauli-Party zu spielen, künftig nicht. :nein:

Weil man ihn und andere für den Text dieses Stücks sensibilisiert hat.

Superheidi
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Beitrag von Superheidi » 17.12.2017 16:15

Nur mal doof gefragt: wieso und seit wann darf man eigentlich nicht mehr die Politik eines Staates scheiße finden? Seit 1945?
[center]so let me take a good look at your perfect life
so i know just exactly how I dont want mine
[/center]

smashedup
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Beitrag von smashedup » 18.12.2017 00:38

Superheidi hat geschrieben:(Datum Originalbeitrag: 17.12.2017 16:15 GMT +1)

Nur mal doof gefragt: wieso und seit wann darf man eigentlich nicht mehr die Politik eines Staates scheiße finden? Seit 1945?
Exakt. Damals wurde ein Gesetz erlassen, das besagt, dass jede Kritik an einem möglicherweise mal bestehenden, jüdischen Staat verboten ist. Trotz Mossad-Unterstützung schafft es die Meinungs- und Gesinnungspolizei aber bis heute nicht das Gesetz durchzusetzen, weshalb es das am häufigsten gebrochene Gesetz der Bundesrepublik ist. Kurz vor "links blinken, rechts abbiegen".

Vielleicht löst man sich aber ja auch mal von seinem Fetisch diesen einen Staat kritisieren zu müssen und kritisiert stattdessen zur Abwechslung die Politik eines der vielen, vielen anderen Staaten, die so richtig tiefgehend und weitreichend scheiße bauen auf der Welt.
Ich bin ja der Meinung, dass es ein Gewinn wäre wenn nicht jeder Hans und Franz sich zu diesem Konflikt äußern müssen würde.

Einerseits. Andererseits seh ich's schon auch wie Enninger und finde die Auseinandersetzung damit weiterhin wichtig. Besonders in der linken Szene, wo mir nach dem - teils gewaltätigen - Abnabelungskampf der Antideutschen gegen den bis dahin vorherrschenden Konsens innerhalb der Linken, mittlerweile zu viel Wundenlecken angesagt ist.
Für Tyler vielleicht victim-blaming, aber ich finde schon, dass sich große Teile der so genannten undogmatischen Linken da seit einiger Zeit sehr gemütlich eingerichtet haben und sich gerne darauf berufen, dass der Diskurs vergiftet sei, statt sich weiter mit einem immer noch äußerst akuten Problem zu beschäftigen, nämlich dass man mit Leuten auf der Straße ist, deren Antikapitalismus antisemitische Argumentationsmuster aufweist oder die gleich offen die Ermordung israelischer Juden fordern (nichts anderes ist der Aufruf zur Intifada).
Ich würde mir da tatsächlich noch mehr Auseinandersetzung wünschen und zwar eben genau von den Leuten, die mehr zu bieten haben als "Kindermörder Israel!" und "Waffen für Israel!".

Aber ja, ich kann auch jeden persönlich verstehen, der sich dem entzieht und mit bestimmten Leuten / an bestimmten Orten / zu bestimmten Themen nicht (mehr?) mitdiskutiert. Absolut.
Ich weiß allerdings gar nicht ob die gute alte Nahost-Disko da so eine Ausnahme darstellt: Dreadlock-Hippies und TERFs gegen Critical Whiteness und Queers, Alice Schwarzer Posse gegen Missy Mag Crew, allgemein Kritische Theorie gegen Postmoderne … auch da gibt’s doch richtig auf die Fresse.
Wenn du mich fragst is die ganze Diskussionskultur in der Linken für’n Arsch. Aber wie soll das auch klappen wenn man sich nicht mal darauf verständigen kann ob nun eigentlich das Argument oder der Sprechort entscheidend sind.
Vielleicht treffen da einfach zu unterschiedliche Welten aufeinander unter dem sinnlosen Label '(Radikale) Linke' (ja, ich weiß Querfront-Gelaber, aber vielleicht haben die ja doch recht und die Fronten verlaufen schon lange nicht mehr an der Links-rechts-Achse?).
Oder wer freut sich schon auf die Revolution der autoritären Kommis von RK & Co?
Zuletzt geändert von smashedup am 18.12.2017 01:28, insgesamt 1-mal geändert.

Goedeke M.
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Beitrag von Goedeke M. » 18.12.2017 11:09

smashedup hat geschrieben:(Datum Originalbeitrag: 18.12.2017 00:38 GMT +1)
Superheidi hat geschrieben:(Datum Originalbeitrag: 17.12.2017 16:15 GMT +1)

Nur mal doof gefragt: wieso und seit wann darf man eigentlich nicht mehr die Politik eines Staates scheiße finden? Seit 1945?
Vielleicht löst man sich aber ja auch mal von seinem Fetisch diesen einen Staat kritisieren zu müssen und kritisiert stattdessen zur Abwechslung die Politik eines der vielen, vielen anderen Staaten, die so richtig tiefgehend und weitreichend scheiße bauen auf der Welt.

Ich bin ja der Meinung, dass es ein Gewinn wäre wenn nicht jeder Hans und Franz sich zu diesem Konflikt äußern müssen würde.


Für Tyler vielleicht victim-blaming, aber ich finde schon, dass sich große Teile der so genannten undogmatischen Linken da seit einiger Zeit sehr gemütlich eingerichtet haben und sich gerne darauf berufen, dass der Diskurs vergiftet sei, statt sich weiter mit einem immer noch äußerst akuten Problem zu beschäftigen, nämlich dass man mit Leuten auf der Straße ist, deren Antikapitalismus antisemitische Argumentationsmuster aufweist oder die gleich offen die Ermordung israelischer Juden fordern (nichts anderes ist der Aufruf zur Intifada).
Im Namen von Hanz oder Franz:
Ich kann nicht nachvollziehen, dass Kritikern der israelischen Regierungspolitik vorgeworfen wird, diese würden die Kritik an diesem Staat als Fetisch vor sich hertragen. Das gibt es zwar auch (und ist dann auch nicht links), aber in weiten Teilen der undogmatischen Linken läuft es doch eher so, dass es allgemeine Kritik an diversen, "üblichen" Verfehlungen von Regierungshandeln überall auf der Welt gibt und eingefordert wird, dass die Standards, die man sich global wünscht eben auch in Israel eingehalten werden. Dabei mag die Einordnung in den historischen Rahmen oft zu kurz kommen, aber eine Einordnung in den aktuellen politischen Rahmen darf das doch nicht ausschließen?

Was genau Intifada bedeutet, ist außerdem eher nicht so klar definiert, oder? Die Bandbreite der Mittel und Ziele ist ausgesprochen breit gefächert und lässt sich in grudverschiedene Intifadas aufteilen. Wenn du Hanz und Franz nochmal zeigen könntest, wo genau denn der Aufruf zum Mord an israelischen Juden belegt ist, wären sie dankbar und könnten sich in Zukunft vielleicht besser an der Diskussion beteiligen.

edit entfernt die eine oder andere Satzblase.
Zuletzt geändert von Goedeke M. am 18.12.2017 11:34, insgesamt 2-mal geändert.

Pavel11
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Beitrag von Pavel11 » 18.12.2017 12:36

@smashedup:

Danke für diesen sehr anregenden Beitrag. Er hat zwar nur mittelbar mit dem Anlass dieses Fadens zu tun, trotzdem finde ich es hilfreich, darauf hinzuweisen, dass die Linken sich nicht nur in der "Nahost-Disko" spinnefeind sind - und es meiner Meinung nach auch sein MÜSSEN, denn bei den linken Themen geht es ja nicht wie bei den "Bürgerlichen" um 20 Cent Mindestlohn mehr oder weniger etc, sondern um das Große und Ganze - Antisemitimus, Humanismus, Menschenbild, Menschenrechte, Emanzipation, solche Dinge.

Möchte deshalb darauf hinweisen, dass die aktuelle Spaltung kein neues Phänomen ist, das etwa diesem unübersichtlichen Jahrhundert geschuldet wäre, sondern mindestens 100 Jahre alt ist - während und nach der Oktoberrevolution (z.B. der Kronstädter Aufstand); die Prozesse und Massenmorde unter Stalin; die konterrevolutionären Machenschaften der Kommunisten im Spanischen Bürgerkrieg; KPdSU und Follower gegen Tito; die deutschen K-Gruppen pro Maos Kulturrevolution und Pol Pots Killing Fields, aber gegen die Friedliche Koexistenz ... dass sich Linke hassen und bekämpfen, ist kein Kommunikationsproblem, sondern unvermeidlich und notwendig, weil ihre Konzeptionen sich absolut nicht vertragen und sich ausschließen. Sich in diesen Konflikten korrekt und angemessen zu verhalten, gehört und gesehen zu werden, das ist für „Zwischentöne-Menschen“ nie leicht gewesen. Daran hat sich so viel gar nicht geändert. Die Sehnsucht nach einer einigen, solidarischen Linken ist verständlich, aber unvernünftig.
Zuletzt geändert von Pavel11 am 18.12.2017 12:46, insgesamt 3-mal geändert.
Den richtigen Dingen muss man ihre Richtigkeit auch ansehen

smashedup
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Beitrag von smashedup » 18.12.2017 12:48

Goedeke M. hat geschrieben:(Datum Originalbeitrag: 18.12.2017 11:09 GMT +1)

Im Namen von Hanz oder Franz:
Ich kann die Wahrnehmung nicht nachvollziehen, dass Kritikern der israelischen Regierungspolitik vorgeworfen wird, diese würden die Kritik an diesem Staat als Fetisch vor sich hertragen. Das gibt es zwar auch (und ist dann auch nicht links), aber in weiten Teilen der undogmatischen Linken läuft es doch eher so, dass es allgemeine Kritik an diversen, "üblichen" Verfehlungen von Regierungshandeln überall auf der Welt gibt und eingefordert wird, dass die Standards, die man sich global wünscht eben auch in Israel eingehalten werden. Dabei mag die Einordnung in den historischen Rahmen oft zu kurz kommen, aber eine Einordnung in den aktuellen politischen Rahmen darf das doch nicht ausschließen?
Ich hoffe du heißt weder Hans noch Franz? :razz:
Der launige Rant kommt vielleicht arrogant daher aber ich finde einfach die Bedeutung des Konflikts wird einerseits von den meisten Menschen total überhöht - gerade so als wäre dies der Kristallisationspunkt aller Weltpolitik - andererseits viel zu wenig versucht mal zu verstehen wie Israelis eigentlich ticken. Nicht nur die Shoa, auch diverse Versklavungen und Exilierungen, die Zerstörung des ersten und zweiten Tempels oder der Fall Masadas haben die Psyche bis heute geprägt und erklären gewissen Verhaltensmuster.
Und ja, gerade Deutsche finde ich können sich bei dem Thema gerne etwas zurücknehmen statt kluge Ratschläge "unter Freunden" zu erteilen.
Klar kann man das als kulturrelativistisch abtun und trotzig fordern man dürfe doch wohl als unbescholtener Nachgeborener die israelische Politik kritisieren. Darf man ja auch.
Ich wunder mich aber halt immer wo dieses dringende Bedürfnis herkommt.
Bzw. eigentlich nicht, eigentlich hab ich nen Verdacht, aber die Kiste möchte ich hier jetzt nicht auch noch aufmachen.

Unbestritten übrigens, dass Israel auch für eine Fetischisierung und Idealisierung durch viele Antideutsche herhalten muss (wozu es neben seiner Funktion als Schutzraum der Juden, durch die kommunistische Kibbuzbewegung ja wenigstens auch ein bisschen Anlass gibt. Oder gab.).

Goedeke M. hat geschrieben:(Datum Originalbeitrag: 18.12.2017 11:09 GMT +1)

Was genau Intifada bedeutet, ist außerdem eher nicht so klar definiert, oder? Die Bandbreite der Mittel und Ziele ist ausgesprochen breit gefächert und lässt sich in grudverschiedene Intifadas aufteilen. Wenn du Hanz und Franz nochmal zeigen könntest, wo genau denn der Aufruf zum Mord an israelischen Juden belegt ist, wären sie dankbar und könnten sich in Zukunft vielleicht besser an der Diskussion beteiligen.
Ich würde mal behaupten Intifada ist einigermaßen klar definiert. Auch wenn kleinere Scharmützel immer mal wieder zur dritten Intifada verklärt werden.
Die erste Intifada hat zwar als - teilweise sogar friedlicher - Aufstand der Bevölkerung angefangen, wurde aber immer mehr zum bewaffneten Kampf gegen israelische Juden und vermeintliche arabische Kollaborateure.
Die zweite Intifada war dann von Anfang an ein gewollter Terrorkrieg von Hamas & Co.
De facto waren beide Intifadas ein Angriff auf Leib und Leben der israelischen Juden und ein Aufruf zur dritten Intifada stellt sich doch bewusst in diese Tradition.


Ich fürchte aber wir sind mittlerweile wieder voll drin im Thema und damit einigermaßen offtopic, wobei on-topic gab es streng genommen ja schon länger nix mehr zum Thema zu sagen. ;)

Pavel11 hat geschrieben:(Datum Originalbeitrag: 18.12.2017 12:36 GMT +1)

dass sich Linke hassen und bekämpfen, ist kein Kommunikationsproblem, sondern unvermeidlich und notwendig, weil ihre Konzeptionen sich absolut nicht vertragen und sich ausschließen. Sich aus diesen Konflikten raus zu halten, ist für „Zwischentöne-Menschen“ nie leicht gewesen. Daran hat sich so viel gar nicht geändert. Die Sehnsucht nach einer einigen, solidarischen Linken ist verständlich, aber unvernünftig.
Hmm, wahrscheinlich liegt hier der Hund im Pfeffer, da hast du recht.
Meine Annahme es handele sich um ein Kommunikationsproblem war etwas oberflächlich gedacht.

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